2.2.4. Mythisch-konventionelles Bewusstsein: Blau (Himmel), auch Bernstein

Seit 3000 v. Chr.. Monotheistische Religionen, große Mythologien der Entstehung und Zugehörigkeit. Komplexe Sozialsysteme. Hierarchische Struktur, Mensch lebt sein Leben in klaren Rollen und unter klaren Regeln. Ethnozentrisch, „Wir“ der Gruppenzugehörigkeit, von Familie bis Nation, auch Religion; scharfe Abgrenzung: wir gegen die anderen. Konventionelle, traditionelle Moral, absolutistisch, autoritär; sucht starken Führer. Rechte Parteien. Wörtlich-konkretes Religionsverständnis, Einhalten der Regeln sichert Wohlergehen nach dem Tod; unveränderliches, göttlich gegebenes Richtig und Falsch.
ca. 7-14 Jahre: Denken in zweiter Person, auch Du einbezogen in Überlegungen; Jugendbanden, Jugendlicher will klare Regeln, Moral und Führung
BIBELZITAT:
„Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des Herrn ist gewiss und macht die Unverständigen weise.“ (Psalm 19,8).
„Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Weisungen der Propheten außer Kraft zu setzen, sondern um sie zu erfüllen und ihnen volle Geltung zu verschaffen.“ (Jesus in Matth. 5, 1-8)
- LICHTSEITE: Stabilität, Wahrheitsliebe, Ordnung, Disziplin, Tradition, Pflichtbewusstsein, Schuld; Gewissenhaftigkeit, Respekt ggü. Autorität, Glaube an höheren Sinn, Frömmigkeit, hohe Wertschätzung der Familie, Wohltätigkeit, Patriotismus, Gesetze, Regeln, Jenseits
- SCHATTENSEITE: Negative Glaubenssätze/Skripte, Schwarz-Weiß-Denken, Intoleranz, Zwanghaftigkeit, Formalismus, Fanatismus, Fundamentalismus, ethnozentrisches Denken, Scham, (übertriebene/falsche) Schuldgefühle, Inquisition, spirituelle Misshandlung, unbedingter Gehorsam, Konformismus, Strenge, Selbstgerechtigkeit, Unnachgiebigkeit/Starre, Hartherzigkeit, Angst vor Glaubensabfall
- ORGANISATION: Auftragsorientiert und autoritär.
- ANTEIL AN DER WELTBEVÖLKERUNG: geschätzt 55 %
- GOTTESBILD: Monotheismus. Gott ist der allmächtige und allwissende Schöpfer, Richter und Herrscher der Welt.
- JESUSBILD: Jesus ist der einzige Sohn Gottes, der für die Vergebung unserer Sünden gestorben ist/sterben musste.
- KIRCHE/GEMEINDE: Hierarchische Institution, Ortsgemeinde, Heilsvermittlerin
- BIBEL: Die Bibel ist das Wort Gottes (wortwörtlich von Gott diktiert oder zumindest in wesentlichen Teilen göttlich inspiriert). Sie kann richtig, aber auch falsch ausgelegt werden. Sie ist v.a. ein Gesetzesbuch und ihre Erzählungen sind historisch wahr.
- GEBETE/RITUALE: Beichte, Buße, Tischgebet, Abendmahl zur Vergebung der Sünden, traditionelle [und viele Lobpreis-]lieder. Lehrpredigten.
- SÜNDE: Wer sich an bestimmte Regeln hält, vermeidet die Sünde.
- RETTUNG/ERLÖSUNG: Gott bestraft für böse und belohnt für gute Taten. Oder: Wer Gottes Vergebung durch Jesu Tod am Kreuz annimmt, kommt in den Himmel, wer sie zurückweist, in die Hölle usw.
2.2.5. Rationales, modernes Bewusstsein, Aufklärung: Orange (Sonnenaufgang)

Ab 1700 (in Anfängen schon in griechischer Antike), Aufklärung, Wissenschaftlichkeit, Menschenrechte, Freiheit des Individuums. Alle Menschen sind gleich, weltzentrische Perspektive. Zentraler Wert Selbstachtung, Bedürfnis nach individueller Anerkennung über persönliche Leistung. Effizient, strategisch, mechanistisch. Die Welt ist eine gut geölte Maschine, die man für eigene Zwecke nutzen kann; leistungsorientiert auf materiellen Gewinn hin, Kapitalismus; wettbewerbsorientiert; Autorität leitet sich von Wissen und Fähigkeiten ab. Liberale Parteien.
Losgelöst von ethnozentrischen Denken, Werte theoretisch auf Menschheit gerichtet, übergeordnete Perspektiven der Fairness und Gerechtigkeit, praktisch aber doch sehr ichbezogen.
Rationaler Geist. Wissenschaft und Mammon sind Religion. Häufig Ablehnung des Transzendenten. Kritisch, postkonventionell, atheistisch, agnostisch; auch calvinistisch („Wenn du richtig glaubst, gibt Gott dir Erfolg und macht dich reich.“). Historisch-kritische Bibelforschung.
ca. 14 – 21 Jahre, Jugendlicher betont seine Unabhängigkeit, rebelliert gegen Konventionen, will selbständig auf eigene Füße kommen; zunehmend kritisch-wissenschaftliches Denken; Religion spielt oft keine große Rolle
Bibelzitate:
„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbat willen.“ (Jesus in Mark. 2,28)
„Zur Freiheit hat uns Christus berufen!“ (Paulus, Galater 5,1)
- LICHTSEITE: Selbstbewusstsein, Selbstreflexion, Individualität, Fortschritt, Forschergeist, Wissenschaft, Technologie, Strategie, Effizienz, Struktur, Optimismus, Erfolg, Wettbewerb, Religionsfreiheit, Interreligiöser Dialog, weltzentrisches Denken, Offenheit
- SCHATTENSEITE: Ichbezogenheit/Narzissmus, Kälte, Konkurrenz, Leistungsgesellschaft (-evangelium), Materialismus, Nihilismus, Ausbeutung, Habgier, Perfektionismus, Elitedenken, Arroganz, Oberflächlichkeit, Lebewesen als Ware und Versuchsobjekte, „ökonomisch motivierte Heuchelei“, Schere Arm-Reich, Selbstgerechtigkeit, Manipulation
- ORGANISATION: Strategisches, erfolgsorientiertes Unternehmen.
- ANTEIL AN DER WELTBEVÖLKERUNG: geschätzt 15 %
- GOTTESBILD: Die Vorstellung eines theistischen, mythischen Gottes als übernatürlichem Wesen wird abgelehnt. Es gibt ein breites Spektrum alternativer Sichtweisen von säkularem Humanismus, Deismus, Atheismus und Agnostizismus zu liberalem Christentum.
- JESUSBILD: Jesus ist weiser Lehrer und ethisches Vorbild.
- KIRCHE/GEMEINDE: Funktionale Organisation, Leitung durch Management, Ziel Gemeindewachstum, häufig moderne Verpackung – konservativer Inhalt
- BIBEL: Die Bibel wird kritisch-historisch untersucht. Sie ist eine Sammlung zahlreicher religiöser Schriften von verschiedenen Autoren verschiedener Zeiten und Kontexte. Der christliche Mythos wird nicht mehr wörtlich, sondern symbolisch verstanden.
- GEBETE/RITUALE: Abendmahl als Erinnerungsmahl,
- SÜNDE: Die Quelle des Bösen ist die Irrationalität. Sünde ist das Zufügen von Schaden oder ungerechte Verhältnisse.
- RETTUNG/ERLÖSUNG: Himmel und Hölle sind Metaphern für irdische Erfahrungen. Das Leben nach dem Tod wird angezweifelt.
2.2.6. Pluralistisches, postmodernes Bewusstsein: Grün (Umwelt)

Seit 1850, verstärkt ab frühem 20. Jh.; Baby-Boomer-Jahrgänge. Relativismus, Pluralismus, Kontextualismus – es gibt keine Wahrheit, jeder hat seine eigene Wahrheit, alle Wahrheit leitet sich aus dem Zusammenhang ab. Trotzdem oft große Intoleranz gegen andere Positionen, starke Moralisierung. Sensibles Selbst, starke Betonung der emotionalen persönlichen Bedürfnisse und Rechte (Wokeness).
Es wird angestrebt, Körper, Gefühle und Geist in eine harmonische Einheit zu führen. Zentrales Bedürfnis Selbstverwirklichung. Menschliches Miteinander, inklusiv, kollektivistisch, kommunistisch. Linke, soziale, grüne Parteien.
Gesamte belebte Natur wird in Werte einbezogen; planetzentrisch. Religiös-spirituell: anything goes, vieles wird ausprobiert, bei nichts geblieben, New Age. Vielfaches Wiederbeleben von Praktiken der Stufe 2, ohne die Wissenschaftlichkeit einzubeziehen.
Ab ca. 21, bewusstes auseinandersetzen mit politischen Konzepten, Werten, Lebensfragen, Gesundheit.
Bibelzitat:
„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nihct Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“ (Paulus, Galater 3,28)
- LICHTSEITE: Pluralismus, Empfindsamkeit, (Mit)gefühl, Inklusion, Integration, Bewusstsein für Diskriminierung und Ungerechtigkeit, Feminismus, Konsensorientiert, Teamarbeit, Umwelt-, Friedens-, Frauen-, LGBT-Bewegungen, interreligiöses Gebet, Befreiungstheologie, Tiefenökologie, Ablehnung von Moralismus, Selbsterforschung, freie Sexualität, positive Psychologie
- SCHATTENSEITE: Relativismus, Ablehnung jeglicher (auch natürlicher) Hierarchien, Gleichmacherei, „politische Korrektheit/Cancel Culture“, (kollektive) Schuldgefühle, „Selbstverwirklichungstrip“, Naivität, Unverbindlichkeit, „Patchwork-Spiritualität“, Opferbewusstsein, Verneinung der Realität, „Boomeritis“/woke Ideologie
- ORGANISATION: Soziales, menschenorientiertes Netzwerk
- ANTEIL AN DER WELTBEVÖLKERUNG: geschätzt <5 %
- GOTTESBILD: Gott ist in allem und alles ist in Gott (Panentheismus).
- JESUSBILD: Jesus ist ein spiritueller Lehrer und erleuchteter Meister, Bruder der Armen, Unterdrückten und Ausgegrenzten.
- KIRCHE/GEMEINDE: Gemeindezentren, Kirche an anderen Orten, Ökumenische Bewegung, Kirchentag, „Maria 2.0“
- BIBEL: Die Bibel wird aus verschiedenen Perspektiven und mit verschiedenen Methoden gelesen, z.B. der befreiungstheologischen, kontextuellen, tiefenpsychologischen, feministischen Perspektive; „Bibliolog“.
- GEBETE/RITUALE: Taizélieder, konfessionsübergreifende Andachten, kollektive Schuldbekenntnisse.
- SÜNDE: Sünde ist, andere zu verletzen, zu unterdrücken, oft systemisch.
- RETTUNG/ERLÖSUNG: Der Himmel und Hölle sind innere Erfahrungen, Himmel ist die „Erleuchtung“ oder das „Nirwana“, die Hölle die Entfremdung oder Illusion der Getrenntheit. Offenheit für Reinkarnationsglauben.
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