2.2. Die späten Ebenen

2.2.7. Systemisch-integratives, metamodernes Bewusstsein: Gelb (Geist), auch Indigo

Seit 1910, Quantenphysik, seit 1950 System-Theorie, holistisch, Denken in Netzwerken, Internetzeitalter; Rückkehr von Wertung, aber im Sinne von positiven Holarchien (jede höhere Ebene baut sich notwendig aus Elementen der unteren Ebenen auf – Der Teil und das Ganze.)
Integrale Stufe: Wert und Notwendigkeit aller vorhergehenden Stufen wird anerkannt und aktiv genutzt. Wertschätzung des tiefen Wissens der animistischen und monotheistischen Stufe unter Berücksichtigung der Wissenschaftlichkeit. Entdeckung von Bewusstheit der Natur, schamanische Erfahrungen werden wissenschaftlich anerkannt; Gaia, Weltseele; Naturmystik.
Strukturen, die über das Ich hinausgehen, tauchen im modernen Bewusstsein auf und werden genutzt. Trotzdem oft noch ein starkes Identifizieren mit der Idee eines unsterblichen, individuellen Ichs.

Bibelzitat:
„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Paulus, Galater 2,20)

  • LICHTSEITE: Streben nach Ganzheitlichkeit und Information, weiter Geist, Verbindung von Religion und Wissenschaft, systemisches und synthetisches Denken, Flexibilität, „Funktion über Form“, „Go with the flow“, Verantwortungsbewusstsein, umfassende Wertschätzung der vorhergehenden Ebenen, Vorstellungen, (Teil)wahrheiten und Werte; Erkenntnis von eigenen Projektionen und Schattenseiten („Schattenarbeit“)
  • SCHATTENSEITE: Elitär, arrogant gegenüber scheinbar nicht so entwickelten Menschen, voreingenommen, unnahbar, ungeduldig
  • ORGANISATION: Prozessorientiertes Netzwerk, Startup
  • ANTEIL AN DER WELTBEVÖLKERUNG: geschätzt <1 %
  • GOTTESBILD: Gott wird aus drei Perspektiven (die drei Gesichter) heraus erfahren. Das innere Gesicht Gottes (der Zeuge, das reine Gewahrsein) scheint auf. Religiöse Wahrheiten drücken sich in Paradoxien aus.
  • JESUSBILD:  Jesus ist ein Mystiker, der in einem einzigartigen Bewusstsein seiner Göttlichkeit gelebt hat, dem sog. „Christusbewusstsein“.
  • KIRCHE/GEMEINDE: (globales) Netzwerk, Online-Community, Meditationsräume
  • BIBEL: Die Bibel ist ein faszinierendes Zeugnis für die evolutionäre Entwicklung der Spiritualität, zunehmendes Bewusstsein für die Wahrnehmungs- und Deutungsfilter der Verfasser als auch der Leser.
  • GEBETE/RITUALE: Beten mit den drei Gesichtern Gottes, die dreiteilige „Lectio divina“
  • SÜNDE: Sünde ist die ausschließliche Identifikation mit dem „Ego“, dem kleinen Ich oder der Persönlichkeit, und alle daraus resultierenden Selbstverteidigungsmechanismen.
  • RETTUNG/ERLÖSUNG:  Rettung und Auferstehung geschieht durch das Erwachen zu unserem wahren Selbst und die Überwindung des falschen Selbst. Der Mensch identifiziert sich mehr und mehr mit einer unsterblichen Seele. Das wahre Selbst wird als unsterblich erkannt.

Ab hier findet sich kein relevanter Anteil mehr in der heutigen Bevölkerung, womit einer systematischen Erforschung wichtige Grundlagen fehlen. Beschreibungen höher Stufen sind also entweder spekulativ (und damit idealistisch) oder stammen aus persönlicher Erfahrung. So wurden höhere Stufen der kognitiven wie auch spirituellen Entwicklung wohl bereits seit dem Altertum von einzelnen Menschen erfahren und beschrieben. Die höheren Stufen der spirituellen Entwicklung wurden mehr in Asien erforscht, jedoch ähnlich auch von einigen Kirchenvätern, v.a. des orthodoxen Christentums, beschrieben. Je nach System/Kulturkreis/Entwicklungslinie werden insgesamt 9 bis 12 Stufen unterschieden. Als allgemeine Tendenz lässt sich feststelle: Die Bedeutung des Ichs nimmt immer weiter ab zugunsten einer selbsthingebenden, dienenden Ethik, die keinen Unterschied mehr zwischen Ich und dem Anderen findet. Das Ich löst sich ins „Alles-ist-Eins“, oder die Leere auf. Der Endpunkt ist das nonduale Bewusstsein, das nach Belieben zwischen Form und Leere hin und her wechselt.

Integrale Denker sind sich uneins, wie die kognitive und spirituelle Entwicklung und andere Bereiche wie Werteentwicklung, Ich-Entwicklung, Emotionale Entwicklung etc. zusammen gedacht werden müssen bzw. tatsächlich zusammenhängen. Häufig lässt sich eine sprachliche Unschärfe beobachten, als würde alles in einen Topf geworfen. Viele kommen jedoch zu dem Schluss, dass die Reifung der Persönlichkeit zwangsläufig früher oder später in Bereiche von Spiritualität hineinführt und stabilisierte Bewusstseinszustände zu einem wesentlichen Kennzeichen höherer Ebenen dazugehören – auch Wilber und Combs, die mit ihrem „Wilber-Combs-Raster“ Zustände und Ebenen zunächst säuberlich voneinander trennen.

Je nach System wird daher hier eine weitere Stufe eingefügt, die sog. „mediale“ oder „psychische“:
Ebene der Schamanen, Yogis: Schamanische Erfahrungen, Yogische Sidhis (ähnlich Früchten des Geistes, Charismen im Christentum), Nirmanakaya.
Arbeit mit Kundalini, Chi, Chakren. Naturmystik. Arbeit mit geistigen Führern und Reinkarnation; Arbeit mit PSI-Phänomenen auf kritischer, post-magischer Ebene.
Starke Betonung der individuellen Seele und des persönlichen Höheren Selbstes, der eigenen parapsychischen Fähigkeiten. Desidentifikation von Körper und Gefühlen, aber noch nicht von der eigenen Seele, der eigenen Individualität.

2.2.8. Universelles, kosmisches Bewusstsein: Türkis (Erde aus Weltall), auch Violett

Subtile seelische Ebene, Sambhogakaya
Werte kosmozentrisch, Bedürfnis nach Selbsttranszendenz; Ebene der Heiligen: Zu diesem Bereich hatten die Heiligen erstmals Zugang; Gottesmystik.
Hellsehen, höherer Verstand, höhere Intuition, wirkliche Inspiration; subtile Bereiche des Lichts und  des Klangs; Bereich höherer Präsenzen, spiritueller Führer, engelhafter Wesen = hochentwickelte archetypische Formen des eigenen Seins; Reich der Gottesarchetypen;
In Sambhogakaya entdeckt die Seele die transzendente Verbindung zur Tiefe, zum Hintergrund, zur Einheit, sie kommuniziert in opferbereiter Bewusstheit mit diesem archetypischen Einssein.
Beginnende Selbsttranzendenz, Relativierung und Lösung von Ich
Selbstloses Dienen für alle Wesen; Bodhisatva

Bibelzitat:

„Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ward alles erschaffen, im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare.“ (Kolosser 1,15)

  • LICHTSEITE: Bedürfnis nach Selbsttranszendenz, Tod des „Ego“, Ganzheit, Verbundenheit, umfassendes Mitgefühl, ganzheitliches, intuitives Denken, „Co-Creation“, kosmozentrisches Denken, vertiefte Wahrnehmung subtiler Energien, außergewöhnliche (paranormale) Fähigkeiten wie Klar-/Hellsicht, (Fern-)heilen, durchgängiges Zeugen-Bewusstsein usw.
  • SCHATTENSEITE: Gefahr von Hochmut durch ein aufgeblähtes Ego, Selbstüberschätzung, Langweile oder Ekel angesichts der gewöhnlichen Realität, „Spiritual Bypassing“, Verlust der Erdung, Weltflucht.
  • ORGANISATION: Holistischer Organismus
  • ANTEIL AN DER WELTBEVÖLKERUNG: geschätzt <0,1 %
  • GOTTESBILD: Teilhabe an Gottes Wesen und Prozess: „Das Göttliche und ich sind eins.“ Einheit in Vielfalt: Die drei Gesichter Gottes durchdringen sich in einem Tanz gegenseitig vollständig, ohne zu verschmelzen (Perichorese).
  • JESUSBILD:  Eintritt in die Subjektivität Jesu, die Welt und die Menschen werden mit den Augen und dem Herzen Jesu wahrgenommen. Der kosmische Christus als Personifizierung des nach ihm benannten „Christusbewusstseins“.
  • KIRCHE/GEMEINDE: Treffen von Zen-Meistern, eine interreligiöse „Sangha“ der Erwachten.
  • BIBEL: Die Bibel ist ein Zeugnis unter vielen, das durch die eigenen mystischen Erfahrungen gänzlich neu verstanden wird.
  • GEBETE/RITUALE: Das Abendmahl als Erleuchtungserfahrung (Einheit aller mit allen und allem), die Taufe durch Feuer und den heiligen Geist als Tod des Ego.
  • SÜNDE: Sünde ist Unwissen bzw. der irrtümliche Glaube, von Gott und unseren Mitmenschen getrennt zu sein.
  • RETTUNG/ERLÖSUNG:  Der Mensch erwacht und erkennt den illusionären oder traumähnlichen Charakter der Welt. Er identifiziert sich mit dem wahren Selbst, dem göttlichen „(ICH) BIN“. Er lebt im Einheits- bzw. nondualen Bewusstsein und fühlt universelle Liebe.

2.2.9. Einheit, Leere: Koralle (das Unbekannte in der Tiefe), auch Weiß
Ebene der Weisen; formlose Mystik; theozentrisch


Kausale Ebene, Quelle und Ursache aller Erscheinungen; Bereich des absoluten GEISTES
In Dharmakaya WIRD Seele zu Einssein, Höchste Identität. Im vorhergehenden subtilen Bereich existieren noch Reste von Subjekt-Objekt-Dualismus, subtile Unterscheidung zw. Schöpfer und Kreatur, zwischen Gott und Seele. In Dharmakaya sind Subjekt und Objekt ganz und gar identisch; Gott und Seele werden aufgelöst und kehren in den strahlenden Urgrund der ursprünglichen Leere zurück, zum Bewusstsein-an-Sich, zum Überbewusstsein, Höchsten Ganzen, völlige Versenkung ins Ungeschaffene.

Bibelzitat:
„Ich und der Vater sind eins.“


2.2.10. Nondual


Ebene der Meister, Einheits- oder nonduale Mystik; Svabhavikaya
Sahaja, Vereinigung von Nirvana (Leerheit) und Samsara (Form); der „eine Geschmack“; jede Erscheinung auf allen Ebenen ist EINS. Aus dem völligen Durchdringen der Welt der Form wird diese beherrscht und kann beeinflusst werden – Wunder und Heilungen. 

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