Integrale Entwicklungstage 2026

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Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Einige Stimmen in der Schlussrunde:

„Danke für die Wärme – ich würde euch gerne alle umarmen!“

„Danke für ein neues Gottesbild und die Freiheit von Altlasten!“

„Danke für tiefen Zugang zu mir selbst!“

Kurz vor meiner Abreise las ich meiner Tochter wieder einmal eines der Kinderbücher aus unserem Regal vor. Auf den ersten Seiten sieht man Egon, das Schwein, wie er traurig und allein am Strand steht und in die Ferne blickt. Sein Freund spielt direkt daneben mit einem anderen Tier Ball und ist vergnügt. Egon nimmt sich daraufhin ein Schlauchboot, zieht es ins Wasser, steigt hinein und vertraut sich dem offenen Meer an. Schon bald begegnet er dem ersten Tier, einem Löwen, der mit seinen Pfoten durch das Wasser krault. Er setzt sich zu Egon ins Boot und fragt: „Nanu, wer bist denn du?” „Ich bin Egon und ich bin ganz allein“, antwortet das Schwein. „Ich war auch mal allein“, gesteht der Löwe und erzählt, wie es für ihn war und was ihn getröstet hat. Immer mehr Tiere treffen sie auf ihrem Weg: einen Bären, einen Pinguin, eine Giraffe, eine Kuh, ein Schaf, einen Dachs und so weiter. Am Ende ist das Boot voller unterschiedlicher Tiere und Persönlichkeiten. Als ein Hai auftaucht und das kleine Küken fressen will, starten sie eine gemeinsame, erfolgreiche Rettungsaktion. Gemächlich rudern sie an den Strand zurück. Dort treffen sie auf Frau Hase, die dem armen Egon extra einen Kuchen gebacken hat: „Weil du doch so allein bist.“ Die Autorin fragt: „Ist Egon denn allein?“ Alle Tiere sitzen um Egon herum und essen ein Stück von dem Kuchen. Und der Leser antwortet insgeheim natürlich: „Natürlich nicht!”

Quelle: Iris Wewer, Egon Schwein spielt ganz allein, arsEdition, München 2015.

Nicht mehr! Gott sei Dank! Die Erfahrung, sich allein zu fühlen, hat jeder schon einmal gemacht. Wenn wir über solche Erfahrungen sprechen, kann uns das tief verbinden. Das gilt auch für die Erfahrung, sich auf der spirituellen Suche allein zu fühlen und sich in der bisherigen Gemeinschaft nicht mehr wohlzufühlen.

So ging es mir im Jahr 2017, als ich zufällig „Gott 9.0” in der Stadtbibliothek von Laichingen fand (bei meinem einzigen Besuch dort stand das Buch in der ersten Reihe, als habe es auf mich gewartet). Zu dieser Zeit war ich Pfarrerin in der Ausbildung auf der Alb und trug meinen ältesten Sohn noch im Bauch mit mir herum. 2018, in der Elternzeit, nachdem ich meine Pfarrstelle gekündigt hatte, begann ich, über „Integrales Christsein” zu bloggen. Ich fühlte mich allein und wollte wissen: Ist da noch jemand? Nach und nach kamen immer mehr Menschen in mein Leben, ohne die ich mir mein Leben heute gar nicht mehr vorstellen kann.

Die Menschen auf den Entwicklungstagen haben, glaube ich, alle etwas von diesem Egon in sich. Sie haben sich auf den Weg gemacht, sich dem offenen Meer anvertraut und sind so zu einer neuen Gemeinschaft geführt worden.

Die diesjährigen Entwicklungstage fanden im Haus Klara, einem Kloster in der Nähe von Würzburg, statt. Wie immer wurde die Veranstaltung komplett von einem Team der Plattform „Integrales Christsein” organisiert, die Melanchthon Akademie trat im Hintergrund als Veranstalter auf. Ich traf viele bekannte Gesichter, langjährige Weggefährten, die seit Beginn der Plattform dabei sind und unsere Gemeinschaft maßgeblich prägen und tragen. Es waren aber auch viele zum ersten Mal unter uns.

Nach einer Eröffnung im Plenum hielt Tilmann Haberer einen Vortrag zum Thema „Wandel und Transformation in unserer verletzlichen Welt“. Er sprach über die besondere Notwendigkeit von Transformation in der heutigen, krisengebeutelten Zeit, in der BLAU und ROT überall überhand nehmen. (Ich hätte noch ergänzt: Und GRÜN. Und das macht es auch nicht leichter!) Dann verwendete er das Bild eines Regenbogens: Aus der Ferne sind die Farben deutlich voneinander getrennt, doch je näher man heranzoomt, desto mehr verwischen die Übergänge. Wo ist noch Blau, wo beginnt schon Orange? Er sprach auch über unterentwickelte Entwicklungslinien oder Teilpersönlichkeiten, die in den Schatten wandern können. Selten sei ein Mensch sofort vollständig erleuchtet, sondern eher nur ein Teil von ihm, von dem die anderen Teile nur wenig oder gar nichts mitbekämen. Er brachte auch die Unterscheidung von Ken Wilber zwischen Transformation und Translation ein und stellte Wilbers Höherbewertung der Transformation (der Tod des Egos!) in Frage. Bei Jesus stehe nicht die Ich-losigkeit, sondern die Selbst-losigkeit im Fokus. In der Bibel werde uns kein Übungsweg der Meditation gegeben, sondern ein spiritueller Weg: Die Ausrichtung weg von uns selbst auf den anderen. Das hat mir gefallen, weil es zu dem Buch über christliche Archetypen passt, an dem ich gerade schreibe 🙂

Der Vortrag wurde anschließend gründlich diskutiert, dann folgten persönliche Gespräche ein Stockwerk tiefer.

Am nächsten Tag führte uns Anne Beer in die Arbeit der Tiefenökologie ein. Für alle, die den Begriff noch nicht kennen: Die Tiefenökologie ist eine Naturphilosophie, die den Menschen als Teil der Natur versteht. Sie wurde in den 1970er Jahren vom Philosophen Arne Naess begründet. Im Vordergrund steht die Ritualarbeit in der Gruppe. Viele der Übungen und Rituale stammen von Joanna Macy, einer weisen amerikanischen Aktivistin. Ziel ist es, ein Bewusstsein der Zugehörigkeit zu entwickeln – zu anderen Menschen, aber auch zur Mutter Erde. So sollen die Ursachen der Umweltkatastrophe aufgedeckt und geheilt werden.

Gemeinsam übten wir Dankbarkeit, entwickelten Visionen für die Welt und stellten uns dem Schmerz und der Trauer, die in einem jeden von uns wohnt. Dazu sollten wir eine Schale mit Wasser, die in unserer Mitte auf dem Boden stand, in die Hand nehmen und die Worte sprechen: „Diese Schale steht für die Tränen, die fließen für…“ Die anderen sollten antworten: „Ich sehe dich.“ Da musste ich sofort an meine Schwiegereltern in der Ukraine und meinen Schwager denken, der letztes Jahr im Krieg ums Leben gekommen ist, und an diesen verdammten Krieg. Das war der Moment, in dem ich am liebsten leise den Raum verlassen hätte, um im Zimmer nebenan zu weinen. Denn ich wusste, dass ich weinen würde, wenn ich auch nur ein Wort darüber verlöre. Tja, ich blieb und heulte los. Jetzt nehme ich die Erfahrung mit, dass ich mich gerade mit diesen Tränen getragen fühlen darf. Danke an Anne, danke an die Runde und danke, Frank, dass du mir ein Taschentuch gereicht hast!

Später nahm ich noch an einem Workshop von Anne teil und reiste zu meinen Ahnen und meinen Nachkommen. Letzteres war mir neu und löste prompt eine interessante Erfahrung aus. In meiner Imagination hatte ich unerwartet viele Enkel. Ein Nachfahre viele Generationen später fragte ungläubig: „Wie? Du machst dir Sorgen um uns? Wir wissen nicht einmal, wie du heißt. Alles ist gut hier. Alles läuft seinen gewohnten Gang.“

Das Programm war so voll, dass ich an dieser Stelle bei weitem nicht alles wiedergeben kann: Im Workshop von Marion Küstenmacher lernte ich die Wertimagination kennen. J. teilte eine Lichtmeditation mit uns, von der mir eine spürbare Erfahrung blieb: „Ich bin das Licht.“ P. teilte verschiedene „Landkarten des Erwachens“ mit uns und ich gab – ziemlich spontan – ein paar Übungen aus der Energiearbeit an andere weiter, die sich bei mir Sensibelchen als äußerst nützlich erweisen. Und S. riss mit uns die Frage an, wie „Neo-PURPUR“ aussehen könnte und stellte dabei ein paar spannende Bücher vor.

Beim Essen wurde ausgiebig erzählt, gescherzt, Geschichten geteilt, Projekte angerissen und weitere Treffen angedacht. Viele brachten sich mit ihren Gaben ein: bei der Organisation, bei den Andachten, bei der Moderation, bei den Angeboten usw. Andere waren auf besondere Weise präsent und aufmerksam. Eine solche Selbstorganisation hat beinahe etwas Heiliges, weil alles ein Stück weit unkontrollierbar bleibt, es ein Stück weit Hingabe und Tanz ist, ein Organismus voller Verletzlichkeit und Lebendigkeit.

Samstagabend tanzten wir ausgiebig (darauf hatte ich mich am meisten gefreut!), am Sonntagfrüh ein Gottesdienst gefeiert, der schön, unverkrampft und ziemlich anders war, als das, was ich üblicherweise in Kirche erlebe. Ich spürte in die Energie der Gruppe hinein: Wie ein wogender Ozean. Wenig später stimmte Frank das Lied an: „We are all the Waves of One Sea, We are alle the Leaves of One Tree, we are all the Stars of One Sky…“ Zum Abschied nahmen sich viele gegenseitig in den Arm. Schön war es!

Ich bin zutiefst dankbar und fühle mich beschenkt, dass ich diese Tage mit euch erleben durfte. Mit euch erlebe ich Jahr für Jahr, wie etwas Kleines zu wachsen und zu blühen beginnt.

Jemand sagte zu mir: „Das habe ich sonst nirgends. Eine Gemeinschaft, mit der ich alles machen kann: Ausgelassen tanzen und herumkaspern, mich im Gespräch öffnen, zusammen in der Stille sitzen und auf hohem Niveau diskutieren.“

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Infos zu unserer Online-Community findest du hier: https://www.plattform-integrales-christsein.net

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