Lehrte Jesus uns spirituelle Gesetzmäßigkeiten?

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Jesus and students study a symbolic manuscript; text reads: "JESUS, LEHRER DER HERMETISCHEN UND KABBALISTISCHEN GEHEIMNISSE."

…die wir offenbar noch nicht ausreichend verstehen

Lehre Jesu Gebote oder Gesetzmäßigkeiten?

Die meisten Theologen reden von den „Geboten“ Jesu. Aber vielleicht hat Jesus gar keine Gebote gegeben, sondern spirituelle Gesetzmäßigkeiten gelehrt? Ich gebe zu, dass mir so ein Lehrer, der Einsichten in höhere Welten hat, wesentlich besser gefällt, als ein Lehrer der Moral oder der Lebenskunst. Beides ist sicherlich wichtig, es erscheint mir jedoch eine Ebene tiefer angesiedelt, als eine Ableitung aus einer tieferen Erkenntnis darüber, wie die Dinge in dieser Welt wahrhaftig beschaffen sind.

Während Gebote moralisch sind und uns autoritär sagen, wie wir Leben sollen (exoterisch), hilft das Wissen um Gesetzmäßigkeiten uns dabei, das Leben von innen heraus zu verstehen und unser Verhalten dementsprechend der Wirklichkeit anzupassen (esoterisch) und – salopp formuliert – weniger oft auf die Nase zu fallen oder die Knie aufzuschürfen.

Die sieben (hermetischen) Gesetze des Lebens in der Bibel

Vielleicht hast du schon einmal von den sieben hermetischen Gesetzen gehört. Diese Gesetze lassen sich auch bei Jesus und (teilweise) im Alten Testament finden. Hermetik und biblische Mystik beschreiben häufig dieselben Wirkmechanismen, aber in unterschiedlicher Terminologie und Akzentuierung.

1. Das Prinzip des Mentalismus

Gott hat die Welt erschaffen: Alles ist Geist, das Universum ist geistig. Die Wirklichkeit hat ihren Ursprung im Geist bzw. im göttlichen Logos und wird fortwährend durch diesen neu geschaffen. Wir könnten auch sagen: Das Bewusstsein ist grundlegend. Oder: Bei allem Materiellen handelt es sich um die Sichtbarwerdung innerer Prozesse. Die Kabbala lehrt, dass die gesamte Welt eine Emanation Gottes ist, die sich in verschiedene Ebenen aufteilt.

  • Joh 1,1f: „Im Anfang war das Wort … und das Wort war Gott…. Alles ist durch das Wort geworden.“
  • Joh 4,24: „Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten wollen, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.«
  • Mk 11,23: „Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen würde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteilwerden.“
  • Spr 4,23: „Achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben!“
  • Thomasevangelium, Logion 3,3: „Das Königreich ist innerhalb von euch und außerhalb von euch.“
  • Logion 50: „Wir sind aus dem Licht gekommen, dem Ort, wo das Licht durch sich selbst geworden ist.“
  • Das Apokryphon des Johannes, 1.1: „Er ist ein Ursprung, über dem kein Ursprung ist, denn nichts existiert vor ihm. Er ist Licht… Er ist überhaupt nicht etwas, das existiert, sondern… etwas Überlegenes.“
  • Evangelium der Wahrheit: „Er ist es, der alles geschaffen hat, und in ihm befindet sich alles.“

2. Das Prinzip der Entsprechung

Wie oben, so unten; wie unten, so oben. Im Mikrokosmos spiegelt sich der Makrokosmos. Muster wiederholen sich auf verschiedenen Ebenen der Realität. Jede Seele ist ein holographisches Fraktal des göttlichen Wesens. Himmel und Erde spiegeln einander; das Unsichtbare prägt das Sichtbare. Es gibt eine eine strukturelle Korrespondenz zwischen verschiedenen Wirklichkeitsebenen oder Dimensionen. Ein Bild dafür ist die Jakobsleiter, an der die Engel auf- und niedersteigen und zwischen den Ebenen vermitteln.

  • Gen 1,27: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn…“
  • Mt. 6,10: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe auf der Erde, wie er im Himmel geschieht.“
  • Kol 3, 2: „Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“
  • Mt 5,48: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“
  • Nach Hebräer 8,5 gilt Irdisches als „Abbild und Schatten der himmlischen Dinge“.
  • Thomasevangelium, Logion 41: „Wer (etwas) in seiner Hand hat – ihm wird gegeben werden. Und wer nichts hat – auch das Wenige, was er hat, wird von ihm genommen werden.“
  • Apokryphon des Johannes: „Da sagten sie zueinander: Lasst uns den Menschen schaffen nach dem Bild Gottes und nach unserem Gleichnis, damit sein Bild ein Licht für uns werde. Sie schufen durch ihre jeweiligen Mächte, je nach den Merkmalen, die er ihnen gegeben hatte [dh. jeder Engel schuf einen spezifischen Körperteil, der ihm entspricht].“

3. Das Prinzip der Schwingung

Nichts ruht, alles bewegt sich, alles vibriert. Alles Leben ist Bewegung. Das Unsichtbare bringt im Sichtbaren Wirkung hervor. Die Entsprechung in der Bibel finden wir überall, wo von der Wirkung des Geistes die Rede ist: das griechische „pneuma“ bedeutet sowohl Geist als auch Wind/Hauch. Der Geist ist lebendig und wirkt; er ist eine „lebendige“ Kraft. Der Begriff der „Energie“ (Energeia) ist im Neuen Testament häufig. „Energeia“ bedeutet Wirksamkeit, Wirkkraft, Tätigkeit, aktive Kraft. Es kommt von energein – „wirksam sein, wirken“. „Energie“ ist hier also eine im Hintergrund stehende ursächliche Kraft. An Pfingsten überkommt der Hl. Geist, ein erweiterter Bewusstseinszustand, die Jünger Jesu, in ihrer Entrückung und Euphorie wirken sie auf Außenstehende wie Betrunkene.

  • Genesis 1,2: „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“
  • Joh 3, 8: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.“
  • Apg 17,27: „… und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir…“
  • Kol 1, 29: „Dafür mühe ich mich auch ab und ringe in seiner Kraft (κατὰ τὴν ἐνέργειαν), die mächtig in mir wirkt.“
  • Phil 2,13: „Denn Gott ist’s, der in euch wirkt (energeō) beides, das Wollen und das Vollbringen.“
  • Apokryphon des Johannes: „Da blies er auf ihn [den ersten Menschen, Adam] mit seinem Geist, der die Macht der Mutter ist, in den Leib hinein. Sofort bewegte er sich.“

4. Das Prinzip der Polarität

Die ganze erschaffene Welt besteht aus Polaritäten: Weiblich, männlich, dunkel, hell, warm, kalt. Sie gehören zusammen, das eine bedingt das andere. Allerdings behandelt die Bibel Licht und Finsternis nicht als gleichwertige Pole: Das Licht ist im Endeffekt immer der Finsternis überlegen, die Finsternis dient dem Licht.

  • Joh 1, 5: „Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können (nicht angenommen).“.
  • Jes 45, 6f.: „Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der Herr, der dies alles tut.“
  • 2. Kor 4, 6: „Denn Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde…“
  • Das Evangelium nach Philippus, 10a: „Das Licht und die Finsternis, das Leben und der Tod, die Rechten und die Linken sind Brüder voneinander. Es ist nicht möglich, dass sie sich voneinander trennen. Deswegen sind weder die Guten gut, noch sind die Bösen böse, ist weder das Leben lebendig, noch ist der Tod tödlich.“
  • Das Evangelium nach Philippus, 34a: „Den Heiligen wird von den bösen Mächten gedient.“

5. Das Prinzip des Rhythmus

Alles hat seine Zeiten und Gezeiten; alle Dinge entstehen und vergehen, steigen und fallen. Das Leben besteht nicht aus einem Zustand, sondern aus einer Bewegung zwischen Polen: Geborenwerden – Sterben, Pflanzen – Ausreißen, Weinen – Lachen, Klagen – Tanzen, Suchen – Verlieren, Behalten – Wegwerfen, Schweigen – Reden, Lieben – Hassen, Krieg – Frieden.

  • Prediger 3,1: „Für alles gibt es eine Stunde, und Zeit gibt es für jedes Vorhaben unter dem Himmel usw.“
  • Psalm 30,6: „Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.“
  • Evangelium der Wahrheit: „Das aber ist der Vater, …. zu dem alle zurückkehren werden, die aus ihm hervorgegangen sind.“

6. Das Prinzip von Ursache und Wirkung

Jede Ursache hat ihre Wirkung; jede Wirkung hat ihre Ursache. Auch als Tun-Ergehens-Zusammenhang, Gesetz von Saat und Ernte oder Karma bekannt. Die Idee einer ausgleichenden Gerechtigkeit macht „billige Gnade“ unmöglich. Allerdings zeichnet sich das Christentum gegenüber anderen Lehren dadurch aus, dass der Gnade meistens wesentlich mehr Gewicht beigemessen wird als der ausgleichenden Strenge. Diese zwei Pole entsprechen in der Kabbala Hesed (Güte) und Geburah (Strenge). Denn es gibt immer die Möglichkeit der Vergebung, Gnade, Stellvertretung und eines radikalen Neuanfangs.

  • Gal 6,7: „Was der Mensch sät, das wird er ernten.“
  • Mt 7,1f: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.“
  • Lk 6, 38: „Gebt, so wird euch gegeben… eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.“
  • Mt 7,16: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“
  • Psalm 30,6: „Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade.“
  • Thomasevangelium, Logion 45: „Man erntet nicht Trauben von Dornensträuchern, noch pflückt man Feigen von Kameldisteln; denn sie geben keine Frucht. [Ein] guter Mensch bringt hervor Gutes aus seinem Schatze; ein schlechter Mensch bringt Schlechtes aus seinem schlechten Schatz hervor…“
  • Evangelium nach Philippus, 7: „Die im Winter säen, werden im Sommer ernten. Der Winter ist diese Welt. Der Sommer ist der andere Äon. Lasst uns in der Welt säen, damit wir im Sommer ernten!“

7. Das Prinzip des Geschlechts

Alles hat seine männlichen und weiblichen Prinzipien, ist aber im tiefsten Grunde eins. Aus dem anfangs androgynen Menschen werden in Genesis Frau und Mann, aus einem zwei. Das entspricht in der Kabbala der Aufspaltung von Kether (Krone, jenseitiger Schöpfer, ewiges ICH BIN) in Chokmah (Weisheit) und Binah (Intelligenz). Die Erlösung besteht darin, die ursprüngliche Zweiheit zu überschreiten und Anima und Animus zu integrieren. (Integraler Leitsatz „transzendiere und inkludiere“)

  • Gen 1, 27: „Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“
  • Gen 2,18: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“
  • Gal 3, Hier ist .nicht… Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“
  • Thomasvangelium, Logion 22,4: „Wenn ihr die zwei zu einem macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere, […] und das Männliche und das Weibliche zu einem einzigen macht… dann werdet ihr eingehen in das Königreich“.
  • Evangelium nach Philippus, 78 u. 79: „Hätte die Frau sich nicht vom Mann getrennt, wären sie und der Mann nicht gestorben… Die sich aber im Brautgemach vereinigt haben, werden sich nicht mehr trennen.“

Wie geht es dir damit – kennst du ein paar davon bereits? Stimmen sie mit deiner Lebenserfahrung überein?

Jesus als Lehrer des nondualen Bewusstseins

Das besondere dieses Kommentars von William G. Duffy ist, dass es Jesu als Lehrer der Nondualität versteht und von daher versucht, seine Sprüche aus den Erkenntnissen eines nondualen (oder Einheits-)Bewusstseins neu zu deuten.

Esoterisches Christentum

In der Theologie und in Kirche reagieren die meisten noch immer allergisch auf alles, was nur entfernt an „Esoterik“ erinnert.

Esoterik – das wird gedanklich automatisch verknüpft mit: Unseriös, irrational, Lächerlich, Aberglaube, Geld aus der Tasche ziehen, Okkultismus, Synkretismus, gefährlichem Einlassen auf böse Geister und so fort. Esoterik ist „bä“, damit wollen wir nicht zu…

2 Kommentare zu „Lehrte Jesus uns spirituelle Gesetzmäßigkeiten?“

  1. Avatar von
    Anonym

    „Aber vielleicht hat Jesus gar keine Gebote gegeben, sondern spirituelle Gesetzmäßigkeiten gelehrt?“

    Das ist doch spannend – oder Synchronizität? An dem Tag, als Du den Artikel eingestellt hast, habe ich in anderem Zusammenhang Folgendes geschrieben:

    Die Urchristen waren wohl näher an Jesus und seiner Botschaft. Denn Nachfolge ist eher die Einsicht in geistige Zusammenhänge als starre Dogmen und gewährte Gnade. Zu weit hergeholt?

    1. Avatar von Sandra Hauser

      Hallo, Gänsehaut 😉 So schön! Liebe Grüße

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