Plötzlich intensivere Träume? Wie Erwachen deinen Schlaf beeinflusst

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Young woman entering a colorful fantasy world through a glowing portal beside a grayscale city street

Viele spirituelle Traditionen beschreiben, dass sich das Traumleben verändert, wenn ein Mensch einen intensiveren inneren Entwicklungs- oder „Erwachensprozess“ durchläuft.

Rudolf Steiner schreibt in seinem Büchlein „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“ über die inneren Prozesse eines Mensch, der nach und nach durch eine Schulung (in einer Geheimschule oder durch das Leben selbst) in „höhere Welten“ eingeweiht wird. Mit der Einweihung gehe auch eine Veränderung des Traumlebens einher:

Vorher waren die Träume verworren und willkürlich. Nun fangen sie an, einen regelmäßigen Charakter anzunehmen. Ihre Bilder werden sinnvoll zusammenhängend wie die Vorstellungen des Alltagslebens. Man kann in ihnen Gesetz, Ursache und Wirkung erkennen. Und auch der Inhalt der Träume ändert sich. Während man vorher nur Nachklänge des täglichen Lebens, umgeformte Eindrücke der Umgebung oder der eigenen Körperzustände wahrnimmt, treten jetzt Bilder aus einer Welt auf, mit der man vorher unbekannt war.

Zunächst sei das Traumleben hauptsächlich durch die körperliche Umgebung und die Eindrücke der Sinne während des Schlafes geprägt (Wärme, Decke, Bedürfnisse etc.). Allmählich gibt der Traum hilfreiche Hinweise oder löst Fragen bzw. Rätsel, die uns tagsüber beschäftigt haben.

Ab da merkst du, dass die Nacht nicht mehr „verlorene Zeit“ ist, sondern du in deinen Träumen wertvolle Impulse für dein Leben erhältst. Deine Träume werden farbiger, lebendiger, reicher an Symbolen, dichter an Bedeutung, besser erinnert. Archetypen und mythische Figuren tauchen auf.

Dieser Prozess ist nicht nur angenehm: Verdrängte Wahrheiten tauchen auf, Ängste bekommen Gestalt, innere Konflikte werden sichtbarer.

Momente von „Zwischenbewusstsein“ zwischen Traum und Wachen nehmen zu: Vielleicht spürst du eine Präsenz neben deinem Bett, hast tiefgreifende Erkenntnisse, spürst ein Thema oder Fraktal, das dein Alltagsleben und dein Traumleben miteinander verbindet.

Luzide Träume oder luzide Momente während eines Traums werden häufiger: Du weißt dann, dass du träumst und versuchst, anfänglich unbeholfen, den Trauminhalt zu bestimmen.

Nach und nach erlebe sich der Mensch auch während des Träumens als wach, insofern er die auftauchenden Bilder wahrnehmen, beobachten und verändern kann – so wie er auch im Wachzustand zunehmend lernt, seine Gedanken, Gefühle und Empfindungen wahrzunehmen, zu beobachten und ggf. zu kontrollieren.

Es verschwindet eben immer mehr und mehr der Unterschied zwischen dem Traumbewusstsein und diesem Wachzustand.

Es kommt zu einer Wechselwirkung: Nicht nur die Symbole im Traum sprechen eine immer deutlichere, immer leichter zu verstehende Sprache, auch die symbolische Qualität von den Begebenheiten des Alltags wird zunehmend erkannt.

Symbole, die auf dem Weg des Erwachens häufig begegnen, sind die Treppe, Leiter, Berggipfel, Wasser, Wald, Licht etc. In numinosen Träumen wird eine besondere Gottesnähe oder wichtige Botschaften erfahren, entweder nur für das eigene Leben, oder gar für das Kollektiv. Beim Aufwachen weiß der Mensch: Dieser Traum hatte eine besondere Qualität.

Es kommen auch Träume, die wirken, als träfen sich die astralen Körper bzw. die Seelen der Menschen während des Schlafes in einer Parallelwelt.

Schließlich kann es, normalerweise als Ergebnis eines jahrzehntelangen Prozesses, zu einer „Kontinuität des Bewusstseins“ kommen: Dann ist Mensch sich bewusst, ob er wacht, träumt oder sich im Tiefschlaf befindet.

Ken Wilber erzählt in seinem Buch „Einfach „Das“ davon, dass dies bei ihm nach 25 Jahren Meditationspraxis eintrat. Der Unterschied zum luziden Träumen eines Anfängers bestünde darin, dass man den Traum nicht mehr manipulieren wolle:

„Man träumt sich in Sexorgien hinein, in Schlemmermahlzeiten, in Flüge über Berge usw. Beim Bewusstsein des beständigen Bezeugens dagegen besteht kein Wunsch, irgendetwas zu verändern, das im Bewusstsein auftaucht (…)“

Einfach „Das“ (One Taste), Tagebuch eines ereignisreichen Jahres, Fischer Taschenbuchverlag Frankfurt am Main, 2001, Sonntag, 9. März 1997, 75

Im Traum kommt das „höhere Selbst“ oder „höhere Ich“ zu Wort und offenbart Dimensionen, die hinter den Geschehnissen eines Tages wirken. Die Erfahrungen, die ein Traum vermittelt, wirken plötzlich wahrer und wirklicher als die Erfahrungen während des Alltags. Es scheint, als mische sich eine höhere Ebene ein, die allem eine tiefere Bedeutung verleiht.

Diese neu gewonnene Art des Sehens kann der Mensch nun ausweiten auf sein Wachleben:

„er kann sich zu höherer Wahrnehmung immer, wenn es angemessen ist, in den geschilderten Zustand versetzen.

Rudolf Steiner, ebd.

Ist tiefe Ruhe in einen Menschen eingekehrt, kann die Bildervielfalt im Traum auch wieder abnehmen. Es wird zunehmend weniger chaotisch, weniger ein hin und her, vielmehr ein stilles Wahrnehmen, ein warmes Gefühl der Geborgenheit im Absoluten.

Welche Erfahrungen machst du gerade mit deinen Träumen?

Hier noch ein informatives Video vom Kanal „Wissenschaft und Spiritualität“ zu der Frage, wie du das Träumen für dein Leben fruchtbar machen kannst:

Die dunkle Nacht oder: Spiritualität ist kein Wellness

Tatsächlich kann das, wir Menschen so suchen und anstellen, um erfüllter und ausgeglichener zu sein, uns zunächst erst so richtig ins Unglück hineinreiten: Alte unverarbeitete Gefühle, Erinnerungen, Traumata tauchen auf; selbst unsere Ahnen melden sich, und plötzlich wenden sich selbst die äußeren Umstände zum schlechteren. Was steckt dahinter? Und: Muss das so sein?

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