5 Gründe, die uns daran hindern, über unsere spirituellen Erfahrungen zu sprechen

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Ich habe im Laufe der Jahre festgestellt, dass viele Menschen es nicht gewohnt sind, über ihre spirituellen Erfahrungen zu sprechen – anderseits aber eine große Erleichterung herrscht, wo Raum dafür geschaffen wird, durch ein entsprechendes Setting, durch das Vorangehen anderer, durch Ermutigung. Wir alle haben sie, diese Sorte Erfahrungen, die einen mehr, die anderen weniger, je nachdem wie feinfühlig, wie offen, wie erfahren wir gegenüber der Sprache dieser anderen Welt sind, die immer wieder in unseren Alltag einbricht oder ihn sanft begleitet.

Mein Mann hat beispielsweise immer wieder Momente großer Durchlässigkeit, wo er förmlich in diese andere Welt hineingezogen wird und daraus Bilder und Eindrücke empfängt: So auch dieses Jahr, als mein Vater starb und er, als er das Zimmer kurz nach dessen Ableben betrat, so eine feierliche Stimmung empfand und die Engel singen hörte. Als Ingenieur und Problemlöser spricht er jedoch nur selten und mit wenigen Menschen über so etwas.

Einmal, vor vielen Jahren, standen wir gemeinsam in der Kirche in Berlin neben einer Jesusstatue. Es war mir in diesem Moment, als wäre sie für eine Millisekunde lebendig geworden und als hätte mich Jesus Blick getroffen, aus einer anderen Dimension, über alle Zeit hinweg: Mitten in mein Herz, mitten in mein zutiefst unvollkommenes, verlorenes Sein. Und als ich meinen Kopf zu Sergej wandte, fragte ich: „Hast du das auch gespürt?“ Er nickte.

Geteilte spirituelle Erfahrungen sind ein großer Schatz, der uns durch herausfordernden Zeiten tragen kann, der ein anderes Level an Intimität mit sich bringt und uns darin vergewissert, in etwas Größeres eingebunden zu sein.

Doch immer wieder gibt es Gründe, die uns daran hindern:

1. Angst vor Ausschluss

Noch immer sind viele unserer Mitmenschen in einem materialistischen oder nihilistischen Paradigma gefangen, dass es verunmöglicht, spirituelle Erfahrungen und die Existenz einer spirituellen Welt ernst zu nehmen. Wer über Spiritualität oder gar echte Erfahrungen damit spricht, riskiert aus deren Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Über ihn wird gelacht, er wird für dumm befunden, für „esoterisch“ im schlechtesten Sinne dieses Wortes.

2. Der eigenen Wahrnehmung nicht trauen

Durch unsere Umgebung und auch durch das herrschende Paradigma wurde uns häufig regelrecht abtrainiert, der eigenen Wahrnehmung zu trauen. Was nicht sein „darf“, das war dann auch nicht „wirklich“: Der Engel neben meinem Bett nur ein Traumbild, eine Halluzination, der Begleiter auf meinem Weg nur eine Einbildung, ein psychischer Selbstregulierungsmechanismus.

3. Angst vor Hochmut

Wir wollen uns nicht wichtig machen, hervortun oder gar der Todsünde des „Stolzes“ zum Opfer fallen, indem wir erzählen über das, was uns widerfahren ist. Wie vielen mag wohl schon im stillen Kämmerlein Jesus begegnet sein – doch die Demut und Bescheidenheit werden so manchen Menschen davon abgehalten haben, ein Wörtchen darüber zu verlieren. Wer bin ich denn, dass ich…?

4. Rücksichtnahme

Auch befürchten wir, durch unsere Erzählungen („ich rede regelmäßig mit meinem Schutzengel“) andere einzuschüchtern. Vielleicht fühlt er sich hinterher schlecht, weil er diese Erfahrung nicht gemacht hat oder sich gerade gar gänzlich gottverlassen fühlt.

5. Angst, missverstanden zu werden

Wenn wir etwas erlebt haben, dass selbst für uns seltsam oder ungewohnt war, fehlen uns oft schlicht die passenden Worte. Egal, wie wir es formulieren, es klingt ganz anders als so, wie es wirklich war. Andere könnten sich unserer Worte bedienen und sie ins Banale und Triviale abrutschen lassen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Satz „Überall lag Liebe in der Luft“ und dem Erleben davon.

Auch unser Empfinden kann sich massiv unterscheiden: Für den einen ist es lebensnotwendig, sich von einem Gott umarmt und aufgefangen zu wissen, für die andere ist es lebensnotwendig, die innere Grenzenlosigkeit und unendliche Freiheit zu kosten.

Alle diese Gründe haben ihre Berechtigung. Sie lassen uns vorsichtig werden, sie zwingen uns zu einer vorsichtigen Wortwahl, zum Abwarten auf einen passenden Moment, zum längeren Verweilen im Unmittelbaren und davor, alles vorschnell in Worte zu kleiden und zu rationalisieren.

Zugleich sollten sie uns nie daran hindern, Erlebtes dann zu teilen, wenn wir spüren: Jetzt ist es an der Zeit. Jetzt will etwas hinaus in die Welt. Oder: Jetzt, hier, mit diesem Menschen, muss ich diese Sache erzählen, weil sie ihn trösten könnte: Meiner sterbenden Oma, meinem fragenden Sohn, meiner traurigen Weggefährtin.

Alles, was uns tröstet, uns Hoffnung macht, uns trägt, kann auch einen anderen trösten; alles, was uns verzaubert, kann auch einen anderen ins Staunen versetzen; alles, was in uns etwas zum Klingen bringt, kann auch einen anderen zum Leuchten bringen.

Bild: KI

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