Metanarrativen – Das neue Buch von Markus Roll

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In Form von acht Essays führt uns Markus Roll durch die großen Erzählungen der Menschheit, die Alten Griechen, die römische Republik, die Zeitenwende, die Zeit Jesu und so fort bis zur Neuzeit und lädt dazu ein, eine neue „große Erzählung“ zu entwicklen.

Eine übergeordnete sinnstiftende gesellschaftliche Narrative zu formulieren, wäre, meiner Meinung nach, ein notwendiger Schritt nach vorne, um dann gemeinsam gezielt die großen Herausforderungen unserer Zeit anzugehen, S. 178.

Denn eine solche „große Erzählung“, die vermeintlichen Gewissheiten und Wahrheiten, die eine Gesellschaft einer Epoche zusammenhalten, den sog. Common Sense, scheint es derzeit nicht mehr zu geben. Wie manche von euch wissen, wurden diese Metanarrativen durch die Postmoderne, also die Zeit, die auf die Neuzeit folgte, in Frage gestellt – heute sind sie gefühlt gar kein Thema mehr.

Die Auseinandersetzung mit dem Fremden, Anderen findet statt, indem ich weg-klicke, mich ent-freunde, ein böses Smiley hinterlasse, einfach das Handy weglege, den Computer zuklappe oder die Menschengruppe schlicht verlasse und mir eine andere suche, in die ich besser hineinpasse. Ich mache das auch gerne.

Die Sinus-Milieu-Studie, so Markus Roll in der Einleitung, hätte mittlerweile herausgefunden, dass es in Deutschland ca. zehn verschiedene Milieus gäbe, die jeweils 10 % der Bevölkerung ausmachten. Kein Wunder, dass ich mich so oft wie auf dem Mond fühle, wenn ich mit anderen Menschen spreche 😉

Das erinnerte mich an eine Professorin, die meinte, früher, als es noch nicht so viele Fernsehsender gegeben hätte, wären die Menschen wenigstens meistens einer Meinung gewesen. (Na klasse!)

Aber Scherz beiseite, es stimmt, an was Markus Roll da erinnert! 
Ich mag seinen leicht ironischen, flapsigen Stil, der in mir den Wunsch auslöst, ironisch zu kommentieren:

Zehn Gruppen erscheinen mir sogar wenig. Jeder lebt heute in irgendeiner Blase, die sich zusammensetzt aus Kommilitonen bzw. Arbeitskollegen, den Kanälen, die jemand auf YouTube, Instagramm, X und CO abonniert hat und den Vereinen oder Gemeinschaften, zu denen er/sie sich hingezogen fühlt. Schon die Gespräche mit potentiellen Freundinnen sind über die letzten Jahre nach meinem Empfinden immer schwieriger geworden. Denkt sie über X wie ich oder wie Y? Weiß sie überhaupt, dass A B ist? Lehnt sie die Idee von Reinkarnation rigoros ab oder erzählt sie mir gleich, dass sie bei der letzten Rückführungstherapie erfahren habe, dass sie in einem früheren Leben Priesterin in Lemurien war? Selbstverständlichkeiten, auf die man im Gespräch zurückgreifen könnte, scheint es wirklich kaum mehr zu geben, jede Frage aktiviert ein Quantenfeld mit unendlich vielen möglichen Antworten.

… die großen Narrative, die sinnstiftenden Erzählungen, Mythen und Legenden, sind gefühlt kein Thema mehr, außer in der Metamoderne. Diese sich ankündigende, philosophische Strömung zeichnet sich durch eine Suchbewegung nach dem aus, was über all die Gegensätze, gedanklichen „Blasen“ und unterschiedlichen Lebenswelten, wieder-verbindende Elemente sein könnten. Diese Intention sehe ich auch hinter Markus Buch.

Er macht durch seine stark vereinfachten, lehrreichen und unterhaltsamen Streifzüge durch Philosophie, Politik und Theologie deutlich, dass die „großen Erzählungen“ bis heute in unserer Gesellschaft und unserem Glauben fortwirken. In jedem von uns steckt ganz offenbar ein gutes Stück Grieche, ein Stück Römer, ein Stück christlicher Weltverbesserer, ein Stück Mittelalter, ein Stück Aufklärer. Das alles zu verstehen, zusammenzubringen, in ein übergeordnetes Ganzes zu überführen, ist derzeit meistens Arbeit einzelner ,integraler‘ Denker.

Die weit verbreitete Alternative ist die sog. „Cafeteria-Mentalität“, bei der ich mir jeden Tag das bestelle bzw. an das glaube, was gerade für mich passt, weil ich ohnehin mit der ganzen Welt überfordert bin.

Beides hilft nicht, echte, größere Probleme anzupacken, wie z.B. Frieden zu schaffen, wenn Werte zunehmend weit auseinanderklaffen (man fahre einfach nur Bus, das reicht), oder tragfähige Lösungen für die Mobilität und Energiequellen zu finden – da müssten dann schon mehr Menschen unter einen Nenner kommen.

Tatsächlich bin ich ziemlich skeptisch gegenüber der Idee, dass es uns als Menschheit bald gelingen wird, wieder ein gemeinsames, vereinendes Narrativ zu schaffen, zumindest, solange uns keine Katastrophe dazu zwingt. Aber wenn!, dann können wir immer noch auf Bücher und Menschen wie Markus zurückgreifen, fundiert recherchiert, an Jesus Metanarrativ des Reiches Gottes auf Erden orientiert, hoffnungsgeladen und humorvoll. Danke!

Hier erfährst du mehr über Markus Roll und seine Projekte: https://www.santablacksheep.com

Hier bekommst du das Buch: https://www.wibneo.de/shop/Buecher-Hefte/Buecher/Buch-Metanarrativen.html

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