Durch Paul Smith und Luke Healy habe ich die „WeSpace Group (WirRaum Gruppe zu deutsch) kennen gelernt – eine spirituelle Praxis, die in der Gruppe ausgeübt wird. Die beiden haben sie gemeinsam entwickelt als eine Grundlage für ihr „Netzwerk integraler Christen“ in den USA. Sie eignet sich für 5-max. 9 Personen. Mittlerweile gibt es weltweit viele derartige Gruppen, auch im deutschsprachigen Raum, in unserer 2020 gegründeten Online-Plattform „Integrales Christsein.“
Auch ich war einige Jahre Teil einer solchen Gruppe und habe andere Gruppen in der Anfangsphase begleitet, musste meine Teilnahme aber vor einem Jahr zeitbedingt aussetzen (die Treffens waren immer genau dann, wenn ich meine Kinder ins Bett bringen musste).
Ich stelle euch heute hier den idealtypischen Ablauf vor (in dem Wissen, das vermutlich alle Gruppen mal mehr, mal weniger davon abweichen).
Die Treffen gliedern sich in drei verschiedene Phasen: Check-In, Co-Meditation und Sharing.
In der ersten Phase, dem Check-In, geht es um 30 Min. Zeit für den persönlichen Austausch der Teilnehmer untereinander.
In der zweiten Phase, der Co-Meditation, geht es um gemeinsames Sitzen in der Stille.
Diese Phase gliedert sich wiederum in drei Unterphasen:
A: Alle meditieren zusammen. Einer leitet eine sog. „Ganzkörpermediation“ an, dh. eine Meditation, in der die Teilnehmer nacheinander den Schwerpunkt ihrer Wahrnehmung vom Kopf ins Herz, in den Bauch, in die Füße und dann – im Idealfall – auf alle diese Bereiche, auch „spirituelle Zentren“ zugleich richten.
B: Das Gewahrsein der Teilnehmer richtet sich auf das Energiefeld der Gemeinschaft.
C: Das Gewahrsein der Teilnehmer richtet sich reihum jeweils für einige Minuten auf eine der anwesenden Personen. Unmittelbare Eindrucke wie Empfindungen, Gefühle, Bilder, Worte etc. werden den anderen mitgeteilt. Auch spirituelle Wesenheiten können dabei wahrgenommen werden.
In der dritten Phase, dem Sharing, kann jeder seine in der Stille gemachten Erfahrungen mit den anderen teilen.
Das, was Paul Smith beschreibt, ist im Grunde eine Art intensiver Energiearbeit. Mit den einzelnen Teilen versucht er uralte Praktiken wieder neu ins Bewusstsein und ins Leben zu rufen.
Für Teil A sind auch Alternativen denkbar: Etwa abwechselnd eine eher Gehirn- oder eher Herz- oder auch Darmzentrierte Meditation – entsprechend der drei (nachgewiesener) Orte verschiedener Intelligenzen in unserem Körper. Erstere würde z.B. mit dem Geist arbeiten, z.B. durch die Selbst-Erforschung: „Wer bin ich?, die herzzentrierte mit dem Mantrabeten und gezielter Herzatmung und die Darmmeditation wäre verbunden mit der Baumatmung und einer Konzentration auf den Boden und die Füße.
Diese drei verschiedenen Formen (Gehirn, Herz, Darm) ordnet er den drei Gesichtern Gottes zu:
- Mit dem Gehirn denken wir über Gott nach.
- Mit dem Herz treten wir zu Gott in Beziehung.
- Mit dem Darm ruhen wir in Gott selbst.
Bei Teil C handelt es sich um die Energieübertragung von Person zu Person, durch Anblicken, Berühren oder das Hören. (Englisch: Transmission) Durch diese kann der Schüler von seinem Lehrer in einen höheren Bewusstseinszustand versetzt werden. Jesus übertrug den Heiligen Geist – seinen höheren Bewusstseinszustand – auf seine Jünger, indem er ihnen seinen Atem zu bläst:
Und er hauchte sie an und sagte: „Empfangt den Heiligen Geist!“
Johannesevangelium 20,22, Neue Genfer Übersetzung
Uns ist vielleicht noch am ehesten die Praxis der Handauflegung (v.a. im Zusammenhang mit der apostolischen Sukzession) ein Begriff:
[Hananias] legte Saulus die Hände auf und sagte: „Saul, mein Bruder! Der Herr selbst – Jesus, der dir auf deiner Reise hierher erschienen ist – hat mich geschickt. Er möchte, dass du wieder sehen kannst und mit dem Heiligen Geist erfüllt wirst.
Apostelgeschichte 9,17, Neue Genfer Übersetzung
Und als Paulus ihnen dann die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie herab
Apostelgeschichte 19,6, Neue Genfer Übersetzung
Paul Smith erklärt dieses Phänomen durch das elektromagnetische Feld, das von unserem Herzen ausgeht. Wenn wir also gezielt Energie übertragen wollen, gelte es zunächst, durch unsere Konzentration auf die Herzgegend selbst in einen harmonischen Zustand der Liebe, des Mitgefühls und der Dankbarkeit zu kommen und darauf diesen Zustand gezielt anderen zu „senden.“
Neben der Energieübertragung ist in Phase C auch Gelegenheit dazu, unsere Gabe des prophetischen Redens zu trainieren. Gibt uns Gott ein Wort, ein Gefühl, eine Intuition bezüglich einer Person ein? Dann ist im anschließenden Sharing Gelegenheit dazu, darüber zu sprechen.
In Phase C richtet sich unser Gewahrsein außerdem nicht nur auf physisch anwesende Personen, sondern auch auf geistige Wesen und anwesende Geist-Führer, Heilige oder Engel.
In einer solchen Gruppe sammelt jede/r für mit der für sie/ihn ungewohnten Meditationsform und dem neuen Setting spannende, neuartige Erfahrungen.
Was ist der Sinn oder die Besonderheit dieser Meditationsform?
Die Entwickler der Übung geben dafür die folgenden zwei Gründe an:
- Du wirst wieder ganz neu die „Gaben des Geistes“ oder „Charismen“, die uns vom göttlichen Geist geschenkt wurden, kennenlernen und für andere gewinnbringend zu nutzen lernen. Dazu gehört neben der Zungenrede auch die Gabe der Prophetie, d.h. der Fähigkeit Worte, Bilder und Eindrücke für uns und andere zu empfangen. Diese Gebetsform ist einigen von euch vielleicht besser bekannt als das „Hörende Gebet“, das in einigen, v.a. charismatisch geprägten Gemeinden praktiziert wird. Mir persönlich war sie völlig neu – den Lutheranern ist das alles ja viel zu suspekt und gilt als Schwärmertum 😉
Paulus schreibt im 1. Korintherbrief 14:
Bemüht euch aber auch um die Fähigkeiten, die uns durch Gottes Geist gegeben werden, und wenn ich das sage, denke ich vor allem an die Gabe des prophetischen Redens.
2. Du lernst nach und nach, dich mit spirituellen Wesenheiten und Geistführern zu verbinden, allen voran mit Jesus, aber auch mit anderen Heiligen oder spirituellen Gefährten bzw. Geistwesen auf deinem Weg.
- Manche sehen hier „gefährlichen Spiritismus bzw. Geisterbeschwörung“ am Werk. Paul Smith argumentiert aber meines Erachtens stimmig, dass Jesus bei der Verklärung ebenfalls mit zwei (äußerst prominenten) Verstorbenen kommunizierte: Moses und Elija. Auch bei jedem Gespräch mit Jesus, Maria, einem Heiligen oder deinen Ahnen handelt es sich um den Kontakt zu einem Verstorbenen. Gleichzeitig können uns diese Kontakte trösten, den Angst vor dem Tod nehmen und begreifen lehren, dass alle Verstorbenen nicht einfach weg, sondern äußert lebendig und jederzeit ansprechbar für uns sind. Um Kontakt mit bösartigen Entitäten zu vermeiden, empfiehlt es sich, diese nicht namentlich anzusprechen (Namen tragen Energien) bzw. genau hinzuspüren, ob uns diese/r Jemand dir wohlgesonnen ist.
3. Ich würde ergänzen wollen: Die Übung trainiert generell die Wahrnehmungsfähigkeit auf der subtilen, d.h. innerlichen Ebene. Man horcht in „Energien“, sich eröffnende „Räume“ und lässt Bilder sprechen, die nicht mit dem Auge sichtbar, aber doch spürbar sind. Durch das, was man da erlebt, begreift man, wie wichtig und real diese Ebene ist. Für mich am eindrucksvollsten war die Erfahrung, dass wir auf dieser Ebene tatsächlich aufs engste miteinander verbunden sind, dass wir Gefühle, Schmerzen und sogar gerade anstehende Themen einer anderen Person wahrnehmen können. So etwas hat Potential, unser Weltbild zu verändern.
4. Ein weiterer Effekt ist, dass du deinen Körper und dessen spirituelle Zentren und ihre jeweiligen Eigenarten besser kennen lernst: Dein Gehirn, dein Herz, deinen Bauch und deine Füße. Durch die bewusst hergestellte Verbindung der Intelligenzzentren Gehirn-Herz-Bauch wird eine besonders intensive Meditation erreicht und die Erdung hilft dabei, nicht den Kontakt mit der materiellen Realität zu verlieren und „abzuheben“.
Mit der Übung wird es zunehmend leichter, so meine Erfahrung, mit der Aufmerksamkeit von einem Zentrum, z.B. dem Herzraum in den Bauchraum oder andersherum zu wandern und ein konkretes Erfahrungswissen darüber zu gewinnen, wodurch sich deren Wahrnehmung der Wirklichkeit und deren jeweilige Sprache unterscheidet: So z.B. die Gedanken, aber auch die Gedankenstille im Kopf, die Gefühle oder die reiche Bildersprache des Herzens, die spontanen Intuitionen oder Empfindungen aus dem Bauchraum und – über die Füße – unsere tiefe Verbundenheit mit unserer Umgebung und Herkunft, der Mutter Erde.
Wenn du Interesse hast, Teil einer solchen Gruppe zu wenden:
Luke Healy organisiert die englischsprachigen (und weltweiten) Gruppen: www.integralchristiannetwork.org
Wir von der Plattform „Integrales Christsein“ organisieren die deutschen Gruppen: https://plattform-integrales-christsein.net
Eine geführte Ganzkörpermeditation, die du ganz alleine durchführen kannst, findest du im Downloadbereich.
Der Artikel ist eine Überarbeitung eines im März 2019 veröffentlichten Posts.
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