Neulich stellte eine Frau in Facebook die Frage, ob sich ein Fürbittgebet nach Aufgabe eines theistischen Gottesglaubens denken ließe und wie. Diese Frage ist mir vertraut. Auch ich habe mich immer wieder gefragt: Mit wem/was rede ich da überhaupt, wenn ich doch gar nicht an ein jenseitiges Wesen glaube, das irgendwo getrennt von uns „existiert“ und „über unsere Geschicke bestimmt“.
Vielleicht ist folgende Vorstellung hilfreich:
Das Gebet ist eine Telle in dem Körper Gottes, die mit dem größeren Körper (Gott) kommuniziert. (Prayer is a cell in the body of God communicating with the larger body (God).)
Michael Dowd, Autor von „Thank God for Evolution“, http://thegreatstory.org/christianprograms.html
Eine Lösung bietet aus meiner Sicht die Idee der drei Gesichter Gottes: So wie alles Lebendige eine 2. Person-Qualität hat, ein persönliches „Du“ ist, hat das eben auch die lebendige Wirklichkeit selbst. Mit meinem Büchlein „Die drei Gesichter Gottes“ habe ich versucht, eine Brücke zu schlagen zwischen traditionellem Gebet im Gottesdienst und einer integralen, mystischen Theologie.
Die klassische und mit dem Wort „Gebet“ am ehesten assoziierte Form des Gebets ist das Bittgebet. Weiter kennen wir traditionell Dankgebet, Lobgebet, Beichtgebet, Klagegebet und – zuletzt schweigendes „Zuhören“. Letzteres geht bereits über das „Worte machen“ hinaus.
Nicht immer geht es ums Reden. Manchmal ist es auch dran, schweigend vor Gott zu treten […] Augenblicke, in denen man achtsam wahrnimmt, was um einen herum passiert
Amen.de, Was ist eigentlich Gebet?
Jim Marion widmet dem Thema der Manifestation in seinem zweiten Buch „The Death of the Mythic God“ ein ganzes Kapitel. Irgendwann sei ihm klar geworden, dass er alle Ereignisse in seinem Leben selbst manifestiert habe, allerdings unbewusst. Erst beim Eintritt in das subtile Reich würden wir Menschen allmählich lernen, bewusst zu manifestieren. Dabei verweist er auf Gregg Bradens Buch „Verlorene Geheimnisse des Betens“.
Dieser geht darin folgender Frage nach: Gibt es eine Form des Gebets, in die wir (bedauerlicherweise) nicht eingeweiht wurden, weil sie uns großenteils verloren gegangen ist?
Im Gegensatz zu traditionellen Gebeten, derer wir uns in der Vergangenheit bedient haben, bedient sich diese Gebetstechnik […] keiner Worte. Ihre Wurzel ist die stille Sprache menschlichen Gefühls. Sie fordert uns auf, tiefe Dankbarkeit zu empfinden, so, als ob unsere Gebete schon erhört worden wären.
S. 2
Beten sei also in erster Linie Fühlen. Jedes Gefühl erschaffe wie ein Spiegel Ereignisse, die ihm entsprächen. Als Erklärung dient ihm die Vorstellung, dass wir alle in ein Energiefeld eingebetet sind, durch das wir mit „mit allen Ereignissen auf der Welt“ verbunden sind. In frühen Übersetzungen des Johannesevangeliums (aus alten Manuskripten in Aramäisch) hieße es:
Bittet ohne hintergründige Motive und seid umgeben von eurer Antwort. Sei eingehüllt in das, was du ersehnst, dann wird deine Freude groß sein!
Jesus in Joh 16,24
Dies verbindet er mit der Kraft des Segens. Der Segen schaffe einen neutralen Zwischenraum jenseits von Verletzung und Schmerz und damit die Möglichkeit von Heilung und Neubeginn. Wenn wir es so nach und nach lernten, in allen Dingen Schönheit zu sehen, werde es uns gelingen, das ganze Potential des Gebets zu entfesseln. Gebet sei weniger etwas, was wir täten, als vielmehr etwas, was wir seien.
Der Psychotherapeut Siegried Essen liefert in seinem Buch „Selbstliebe als Lebenskunst“ ebenfalls eine Anleitung zur Manifestation. Dabei unterscheidet er drei Schritte, die verkürzt zusammengefasst lauten:
- Das Mangelbewusstsein. Was fehlt dir? Ängste und Bedürftigkeit anerkennen.
- Was wünscht du dir stattdessen? Eine positive Vision aufstellen und mit allen Sinnen fühlen.
- Alles der göttlichen Intelligenz hingeben und loslassen. Danken.
Ich verlasse mich darauf, dass das universale Bewusstsein meine sehnsüchtige Bitte, meinen dringenden Wunsch (ich habe ihn ja mit allen Kräften, von ganzem Herzen und mit allen mir zur Verfügung stehenden Emotionen ausgedrückt) in sich aufgenommen hat und beantworten wird, viel besser und umfassender, als ich es mir je vorstellen kann.
S. 177, Vom Wünschen, Wollen, Bitten, Bete
Was meint ihr dazu? Habt ihr selbst bereits Erfahrungen mit dieser Art von Gebet gemacht? Vielleicht habt ihr auch weitere Hinweise und Ergänzungen?
Foto von Arthouse Studio, Pexels

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