Das Phänomen der Synchronizität
Der wirkliche Zustand des Menschen ist der, wo alles Zeic
Robert Musil in „Der Mann ohne Eigenschaften“
hen ist.
Anfang letzten Jahres machte ich, angeleitet von Anne-Maria Apelt, ein Naturritual. Sie ermutigte mich zu der Offenheit, alles was mir in diesen besonderen Stunden begegnen würde, als ein potentielles Zeichen zu verstehen. So fühlte ich mich in diesem Wald wie in einen Wachtraum versetzt, wo alles, was mir über den Weg läuft, auf eine Frage meines Inneren mögliche Antworten gibt.
Seit geraumer Zeit habe ich diese Art, auf die Natur zu schauen, radikal auf das ganze Leben ausgeweitet. Seitdem fühlt sich alles anders an, ist potentieller Träger einer Bedeutung oder eines „Winks des Schicksals“: Die Baustelle vor unserem Haus, der Straßenname, wo wir wohnen, der Regenbogen am Himmel.
Die Trennung zwischen einem Innen und einem Außen, zwischen meinem inneren Zustand und Schauen und den äußeren Begebenheiten, hat begonnen, immer durchlässiger und brüchiger zu werden. Es ist gerade so, wie wenn die Symbole immer mehr würden, je mehr man sie beachtet. Als die Geschichte mit Corona begann, war es mir, als sei unsere persönliche Lebenskrise übergeschwappt auf den Rest der Welt. Als die ersten Nachrichten eintrudelten, kämpfte unsere Familie bereits seit Wochen mit Husten und Atemnot.
Was meint der Begriff „Synchronizität“?
Das Wort „Synchronizität“ setzt sich aus den griechischen Wörtern für „mit“ (syn) und „Zeit“ (Chronos) zusammen. Es geht um sinnvolle Zufälle oder zeitlich zusammen fallende innere als auch äußere Ereignisse, die, für den, der sie aufeinander bezieht, eine besondere Bedeutung oder Botschaft enthalten.
Der Begriff wurde aus C.G. Jungs Schrift „Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge“ von 1952 in die allgemeine Sprache übernommen.
Solche Synchronizitäten weisen, so Robert H. Hopcke in seinem Buch „Es gibt keine Zufälle. Synchronizität und die Geschichte(n) unseres Lebens“, vier Merkmale auf:
- Die Ereignisse sind akasaul, das heißt nicht durch Ursache und Wirkung, miteinander verknüpft.
- Sie werden von einer tiefen emotionale Erfahrung begleitet
- Sie besitzen Symbolcharakter
- Sie ereignen sich häufig in Lebensphasen der Umorientierung oder des Übergangs und ergeben neue Wendungen oder eröffnen neue Perspektiven
Synchronizität ist, wenn…
- Wenn du dich gerade mit dem Gedanken der Reinkarnation beschäftigst (Innen) und dann triffst du einen Menschen, bei dem du sofort das Gefühl hast, du kennst ihn schon aus einem anderen früheren Leben. (Außen)
- Wenn du trübe Gedanken hast und dir die Frage stellst, wie lange wird dieser Corona Lockdown wohl noch dauern? (Innen) Und dann siehst du gleich zwei Regenbögen übereinander am Himmel über dem Nachbarhaus. Und das dann drei Tage in Folge ;:-)(Außen)
- Wenn du von einem Sachverhalt träumst (innen) und zwei Wochen später tritt er in ähnlicher Form ein (außen).
- Wenn du so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus raus möchtest und dir jede Sekunde zur Ewigkeit wird (innen) und du musst viel länger auf deine Entlassung warten, als angekündigt, weil das Labor ausgerechnet an diesem Tag Probleme hat usw. (außen). Kaum entspannst du dich für ein paar Sekunden durch Ablenkung (innen), kommt der Arzt herein und lässt dich gehen (außen).
„Wenn wir den Gedanken akzeptieren, dass Ereignisse auch kausal miteinander verknüpft sein können, müssen wir nicht nur die Illusion aufgeben, alles sei kontrollierbar, sondern auch die Vorstellung, dass zwischen der physischen Welt und psychischen Vorgängen keinerlei Zusammenhang bestehen.“
Robert H. Hopcke, a.a.O., S. 31
Eine willkürliche Auswahl an Synchronizitäten in der Bibel
- Petrus Verrat an Jesus (innen) und das Krähen des Hahns (außen)
- Josefs Träume von Garben, die sich vor ihm verneigen (innen) und sein Aufstieg in Ägypten und seine sich vor ihm verneigenden Brüder (außen)
- das folgenreiche Treffen zwischen dem Apostel Philippus und dem Kämmerer aus Äthiopien (außen), weil ersterer einer Eingebung (eines Engels) gefolgt war und der Kämmerer ausgerechnet in dem Moment eine bestimmte Stelle bei dem Propheten Jesaja las (innen)
- die Sonnenfinsternis (außen) bei Jesus Kreuzigung und seinem Gefühl der Gottverlassenheit (innen)
- das verhärtete Herz des Pharaos (innen) und die Plagen in Ägypten (außen)…
Warum ich es für sinnvoll halte, auf Synchronizitäten zu achten
- Bei wichtigen Entscheidungen oder Fragen, die uns beschäftigen, können wir gezielt um derlei Hinweise bitten
- Vertrauen kann wachsen, wenn wir das Gefühl bekommen, durch Hinweise geführt oder geleitet zu werden (jedoch nicht im Sinne der traditionellen „Vorsehung“ oder eines statischen feststehenden „Gottes Plans“, sondern eher einer Co-Creation des Geschehens)
- Wir gehen in Resonanz zu der gesamten Wirklichkeit und kommen mehr und mehr in uns selbst an.
Was für Erfahrungen habt ihr mit derartigen sinnvollen Zufällen oder Synchronizitäten gemacht? Kennt ihr weitere Beispiele aus der Bibel? Dann hinterlasst sie gerne in den Kommentaren!
Bild: Pexels, cottonbro

Kommentar verfassen