Sandra Ulrike Hauser

(Biblische) Steinmale -(Primitiver) Aberglaube oder Hochtechnologie?

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Elderly man with staff standing beside inscribed stone pillar in a circular stone chamber

Gastartikel von Eduard Fassel

Okkultismus – eine verfeinerte Technologie?

Wenn wir von absonderlichen Praktiken hören, die Menschen in der Vergangenheit durchgeführt haben, führt das bei den meisten von uns wohl reflexartig zu einer abwertenden Haltung, die bis hin zum Eindruck extremer Primitivität reicht. Das markanteste Beispiel dafür sind Menschenopfer, also wenn an ehemals kultischen Stätten Gräber von eigentlich gesunden oder gar jungen Menschen gefunden werden. Doch warum würden sie Angehörige ihres eigenen Stammes umbringen, die ja auch jemandes Kinder waren? Natürlich für ein vermeintlich höheres Ziel oder eine höhere Macht. Dass all dies nur in ihrer Vorstellung existiert haben soll, ist für mich wiederum nur schwer vorstellbar.

Was ist also, wenn damals gar nicht alle in diesem Sinn „primitiv“ waren, dass sie sich diese Dinge nur eingebildet haben oder solche teils extremen Handlungen aus einem rein mentalen Aberglauben heraus vollzogen wurden? Vielleicht hatten manche von ihnen tatsächlich eine Kompetenz für das Übersinnliche und konnten Dinge geschehen lassen. Man könnte zum Beispiel einräumen, dass jemand, wie im Fall von Menschenopfern, die gesteigerten Fähigkeiten eines körperlos gewordenen Wesens für bestimmte okkulte Prozesse nutzen wollte (was wohl der eigentliche Kern der Geschichte von Aladin und seinem Dschinni ist).

Daran schließt sich die Frage an, was die Bezeichnung „okkult“ denn meint. Der Mystiker Jaggi Vasudev beschreibt es weder als gut noch böse, sondern schlichtweg als verfeinerte Technologie. Zum Beispiel kommunizieren wir mit unseren Handys über Mikrowellen. Wenn wir aber unsere Denkorgane aufeinander abstimmen würden, könnten wir auch direkt über unsere Gedankenwellen kommunizieren, die noch etwas subtiler sind. Das wäre dann „okkult“. In unserer von Technologie geprägten Zeit ist die Notwendigkeit dessen stark zurückgegangen, doch damals, als man in seinen äußerlichen Möglichkeiten noch sehr eingeschränkt war, bot sich die Erkundung solcher Möglichkeiten durchaus an. Dass man damals in der Hinsicht einiges am Laufen hatte, deutet die Textstelle aus Deuteronomium 18,10 an:

Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt.

Bedauerlicherweise verhält es sich mit jeder Art von Technologie so, dass man dabei immer an einen Punkt kommt, an dem sie missbraucht wird. Da es beim Okkulten nicht weniger hässliche Züge annehmen kann wie bei äußerlicher Technologie, wurde es mit der Zeit von der Tradition abgelehnt und geächtet.

Die uralte Tradition der Steinmale

Was beim Lesen des Alten Testaments ebenfalls abergläubisch anmutet, ist das darin oft kritisierte Niederwerfen vor Steinmalen (oder auch metallenen Figuren). Steinmale werden insgesamt bestimmt 30 Mal erwähnt. Während es bei Jakob und der „Himmelsleiter“ noch einen Bezug zum Göttlichen hat (1. Mose 28,16-22), werden sie zunehmend negativ im Sinne der Götzenverehrung dargestellt, was laut den Schreibern dem eifersüchtigen einzigen Gott missfällt und zur Bestrafung führt.

Um den Hintergründen dieses vermeintlich primitiven Kultes auf die Spur zu kommen, sollte man sich die indische Art des Tempelbaus ansehen. Die von manch westlichem Historiker als Phallussymbole (mal wieder derselbe Reflex) bezeichneten ellipsoiden Tempelsteine waren eigentlich ein Bestreben der Yogis, durch die Wissenschaft der Konsekration eine Energieform zu erschaffen, die in bestimmter Weise auf die Menschen abstrahlt. Steinmale oder Lingas konnten dabei für unterschiedliche Zwecke erstellt werden. Manche schufen sicherlich auch welche für ihr persönliches Anliegen, damit okkulte Prozesse durchzuführen; jene in den Haupttempeln wurden überwiegend für die Erfüllung weltlicher Anliegen wie Gesundheit oder Wohlstand erstellt; und manche rein zur Förderung des spirituellen Prozesses.

Das Bild zeigt den Dhyanalinga in Südindien, der rein zum Zwecke der Meditation konsekriert wurde

Ich gebe hier eine Zusammenschau der Aussagen des bereits erwähnten indischen Mystikers und Yogis wieder, der diese Wissenschaft in seinen Zentren aktiv anwendet. (Vorsicht, Götzenalarm! 😉 ) Nebenbei erwähnt ist es ihm zufolge auch möglich, dass solche energetischen Formationen auf natürliche Weise entstehen können. Dies ist in Bezug auf die Indianer interessant, die wohl aufgrund ihrer Naturmystik in unserer Wahrnehmung als weniger rückständig gelten. Als außergewöhnliches Beispiel für eine natürlich entstandene Energieform nennt der Mystiker den Mato Tipila in Nordamerika, den er als die stärkste außerhalb Indiens bezeichnet. Dadurch kann die starke kulturelle Beziehung vieler indianischer Völker zu diesem für sie heiligen Berg ganz real begründet werden. Nach Jaggi Vasudev sind die subtilen Aspekte, welche die indianische Kultur oder deren „Medizinmänner“ ausgemacht haben (Visionssuche, Geisterkontakt, Ahnenverehrung, etc.) auf die besondere energetische Manifestation in dieser Steinformation zurückzuführen.

Für die religiöse Einordnung dieser Energieformen ist es wichtig zu verstehen, dass jene Tempel nie zur Anbetung gedacht waren wie beispielsweise unsere Kirchen, sondern den Menschen quasi als täglich verfügbare „Energietankstellen“ dienten. In diesem Sinne mag die alttestamentarische Kritik an deren Verehrung angebracht gewesen sein, denn dabei geht es nicht um den devotionalen Weg der Hingabe. Jene Tempel waren nicht an einen Gott geweiht, sondern mit bestimmten energetischen Aspekten kalibrierte Räume. Dennoch strahlen solche Steinmale ihrer Kalibrierung entsprechend eine gewisse Lebendigkeit aus, weshalb es nicht verwundern darf, wenn sie durch ihre spürbare Präsenz auch als Gottheiten angesehen wurden.

Schlachtopfer

An dieser Stelle passt es gut, einen weiteren für uns primitiv erscheinenden Kult zu erwähnen, nämlich die auch im AT oft erwähnten Schlachtopfer. Warum würde man seine eigene Lebensgrundlage abschlachten? Auch hier wieder die Frage, ob dies nur aus rein mentalem Glauben heraus geschah oder ob dessen Ursprung nicht doch ein „reales happening“ war. In der Erklärung lässt sich eine direkte Verbindung zwischen Tieropfern und den Steinmalen herstellen:

Es wird zugrundegelegt, dass immer nach dem Sterben eines Körpers Lebensenergie austritt. Grundsätzlich wurde das Schlachten von gesunden, jungen und somit noch vitalen Tieren vorgeschrieben, und man kann zum Beispiel am Pessach-Fest in Jerusalem von zehntausenden Opfertieren ausgehen. Dadurch wurde an diesem Ort also eine große Menge an Energie freigesetzt, die ein kompetenter Tempelpriester in eine Dimension hätte überführen können, die diese gerade nötig hatte.

Steinmale können je nach Kompetenz des Erstellers sozusagen mit einfacher oder komplexer Technologie angefertigt werden. Werden sie auf einfache Weise hergestellt, sind sie energetisch nicht selbsterhaltend und müssen deshalb in regelmäßigen Abständen mit frischer Lebensenergie „nachgeladen“ werden. In diesem Licht erscheinen Tieropfer an bestimmten Tempeln nicht bloß symbolische Riten gewesen zu sein, sondern Teil einer bewussten Energetik: Die schlagartig freigesetzte Vitalität des getöteten Wesens wurde gezielt in solche steinernen Formen geleitet, um deren Wirksamkeit über die Zeit aufrechtzuerhalten.

Die Bundeslade als Steinmal?

Damit noch nicht genug. Der erwähnte indische Mystiker hat auch in unseren Breiten alte Lingas ausfindig gemacht. Demnach soll der Apollo Tempel von Delphi ursprünglich von Yogis erbaut worden sein, worin der „Omphalos“ stand (Titelbild, heute im Museum, die Bezeichnung „Nabel der Welt“ soll daher stammen, dass darin hauptsächlich das Manipuraka eingespeichert wurde, welches am Nabel liegt). Auch in der Türkei in der Peripherie des Rumi-Mausoleums konnte er einen alten Linga ausfindig machen. Die Wissenschaft der Erstellung solcher Steinmale wurde offenbar bereits vor sehr langer Zeit in die ganze Welt getragen. Nicht zuletzt bezeugen dies die beiden wunderlichen Wandmalereien aus der Synagoge (!) von Dura Europos aus dem 3. Jahrhundert, welche sogar die Bundeslade (natürlich völlig entgegen den Maßvorgaben des AT) als Linga abbilden.

All das würde im Grunde bedeuten, dass unser Reflex, viele Praktiken von damals als grundsätzlich primitiv abzutun, nicht zutreffend ist. Auch wenn uns manche Dinge heute abstoßend und extrem erscheinen, waren sie doch nicht primitiv im Sinne, dass sie keine reale Grundlage gehabt hätten (zumindest nicht in ihrer ursprünglichen Intention). Ob der Zweck die Mittel heiligt, unterliegt dem, was gesellschaftlich zur jeweiligen Zeit als akzeptabel erscheint. Da diese absonderlichen Aspekte für mich immer mit vielen Fragezeichen behaftet waren, wollte ich darauf hinweisen, dass es unweigerlich damit einhergeht, die eigene gesellschaftliche und religiöse Kultur etwas relativer zu betrachten und für uns noch unbekannte Erklärungen offen zu sein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenopfer

Ein treffendes Beispiel mit 280 Leichen ist die Stadt Cahokia, deren Holzpfahl-Kreise an die vielen „Kultpfähle“ im AT erinnern und wohl für die astronomische Bestimmung der einflussreichen Sonnwenden und Tag-und-Nacht-Gleichen dienten.

https://isha.sadhguru.org/de/wisdom/article/was-ist-das-okkulte-okkultismus

https://isha.sadhguru.org/de/wisdom?contentType=article&topic=dhyanalinga

https://isha.sadhguru.org/de/wisdom/video/mato-tipila-kraftort-indianer

https://de.wikipedia.org/wiki/Omphalos

Sadhguru Discovers an Ancient Linga in Turkey, Rumi’s Mausoleum

In dieser Hinsicht interessant sind in Europa auch die sehr alten mesolithischen Skulpturen, die an der archäologischen Stätte Lepenski Vir im heutigen Serbien gefunden wurden, zusammen mit den in der Türkei liegenden Kultplätzen Göbekli Tepe und Nevalı Çori (hier vor allem der „Kopf mit Schlange“, der wiederum stark nach Indien weist)

https://fr.wikipedia.org/wiki/Synagogue_de_Doura_Europos#NB1_:_bataille_d’Eben_Ezer

https://voices.sefaria.org/sheets/519708.105?lang=bi

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